Spielabbruch in Burgau!

ESV Burgau – SC Reichersbeuern: 2-1 (1-0; 1-1;  – )

Das Spiel wurde nach 45 Minuten abgebrochen. Bereits nach der 2 Pause musste 44 Minuten an der Eisfläche herumgedoktert werden, am Mittelpunkt guckte ein Teil der Folie raus, das Eis war nicht mehr dick genug!

Ob das Spiel mit 2:1 oder 0-5 gewertet wird, oder gar wiederholt werden muss, wird der Verband zeitnah entscheiden müssen.

Tore: 1-0 Vladimir Klinga (10.), 1-1 Niclas Schumacher (33,) und 2-1 David Tomecko (35.)

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Aus der Günzburger Zeitung zum Thema Spielabbruch, von Jan Kubica, Uli Anhofer und Christian Kirstges

 

Notreparatur der Eisfläche hilft nicht: Spielabbruch im Burgauer Stadion

Auf der Eisfläche waren ganze Kerben herausgebrochen worden. Die Partie des ESV konnte nicht zu Ende gespielt werden. Bald wird über die Konsequenzen beraten.

Schadhafte Stellen im Eis und der darunter liegenden Schicht im Bereich des Anstoßkreises haben am Sonntagabend zum Spielabbruch der Partie des ESV Burgau gegen den SC Reichersbeuern in der Abstiegsrunde der Eishockey-Landesliga geführt. Alle Versuche, es notdürftig zu reparieren, hatten nichts geholfen. Doch was ist der Grund für das Problem im Stadion, das erst im Herbst eröffnet worden war?

Wie Stadtbaumeister Werner Mihatsch auf Anfrage unserer Zeitung sagt, habe es an ein bis zwei Stellen zu wenig Eis gegeben, was wohl an der starken Nutzung liege. Vor dem Spiel war der öffentliche Lauf, und zu dem kämen im Schnitt 500 bis 700 Gäste – „an manchen Tagen sind es sogar bis zu 800“. Die Zeit habe nicht mehr ausgereicht, die schadhaften Stellen auszubessern. Es seien „richtige Kerben“ aus dem Eis gebrochen worden, offenbar mutwillig. Zwar wurden die Stellen repariert, aber das habe nicht gehalten. Es habe sich weder um einen Materialfehler noch um ein Problem bei der Kältetechnik gehandelt. Sie funktioniere.

Grundsätzlich sei es sehr selten, dass überhaupt ein „Loch“ im Eis entsteht, sagt ein Experte. Guido Reusch arbeitet bei der Kölner Firma GfKK, die für die Kältetechnik bei Eissportanlagen zuständig ist. Sie hatte auch ein Angebot für die Installation im Burgauer Stadion abgegeben, sei aber nicht beauftragt worden. Unabhängig vom konkreten Fall gebe es bei einem „Loch“ mehrere mögliche Ursachen: von einer nicht geeigneten Folie bis zu einem technischen Defekt im Rohrleitungssystem oder einem Schweißfehler – oder einem Fehler des Personals. Das sei allerdings eher unwahrscheinlich, denn die dafür zuständigen Mitarbeiter kennen ihre Anlagen sehr genau, sagt Reusch.

Mit dem ESV soll über Verbesserungen gesprochen werden

Jörg George, Geschäftsführer der Firma Icerink Germany, die Eisbahnen baut, sieht ebenfalls mehrere mögliche Ursachen. Grundsätzlich könne Eis aber immer reißen, wie auch Holz arbeite es schließlich. Dabei könne auch die Folie mit reißen, wenn das Eis nicht seine konstante Temperatur behalte. Dann könnte kein technischer Mangel, sondern ein Bedienfehler vorliegen. Tritt ein Riss oder gar ein Loch auf, sei es unmöglich, das Problem auf die Schnelle zu lösen. Es brauche seine Zeit, bis eine Stelle gefriert.

Da in Burgau nach Mihatschs Worten wohl weder ein Bedien- noch ein Material- oder Anlagenfehler die Ursache für das Problem war, soll nach der Saison mit dem ESV besprochen werden, was verbessert werden kann. Das sei ohnehin vorgesehen gewesen. Dabei werde es aus dem aktuellen Anlass wohl auch um die Frage gehen, ob ein öffentlicher Lauf kurz vor einem Eishockeyspiel in Zukunft überhaupt noch möglich ist, wenn das Eis so stark beansprucht wird.

Andere Probleme sind inzwischen behoben

Nach der Inbetriebnahme des neuen Eisstadions hatte es bereits andere Probleme gegeben. So funktionierte beispielsweise der Kassenautomat nicht richtig, Eintrittskarten wurden dadurch nicht bedruckt. Auch wurde über nicht richtig funktionierende Lampen und Lautsprecher sowie lange Schlangen am Einlass berichtet. Dazu sagt Mihatsch, dass der Hersteller die Probleme mit dem Kassenautomaten schnell behoben habe. Dass es angesichts des Andrangs zu Wartezeiten komme, sei aber nicht zu vermeiden. Deshalb müsse darüber nachgedacht werden, ob ein weiterer Automat installiert oder Mitarbeiter bereit gestellt werden. Die Schwierigkeiten mit der Lautsprecheranlage seien ebenfalls behoben: Ein weiterer Lautsprecher wurde montiert und das Personal darauf hingewiesen, wie das Mikrofon richtig benutzt wird.

Lampen waren keine defekt, sondern nicht richtig eingeschaltet worden. Und in der Garage der Eismaschine wurde ein intelligenter Rauchmelder installiert, nachdem der vorherige wegen Wasserdampfs Alarm ausgelöst hatte. Dieser wurde in einem zum Anlass genommen, die Fluchtwege besser zu beschildern. Außerdem sind die Parkflächen am Stadion jetzt eingeteilt worden, weil ohne Markierung zu chaotisch geparkt worden sei. Wie teuer der Bau des Stadions genau ist, kann Mihatsch noch nicht sagen, da erst 90 bis 95 Prozent der Schlussrechnungen da seien. Bei der Eröffnung waren 6,3 Millionen Euro netto genannt worden. Jedenfalls werde die Anlage besser angenommen als erwartet, was die Gästezahlen zeigen. Eine Prognose habe es aber nicht gegeben.

Zwei Drittel des Spiels waren vorüber

Ein Rückblick auf das Spiel. Zwei Drittel waren vorüber, 2:1 führte der ESV Burgau gegen den SC Reichersbeuern, dann brachen die Schiedsrichter die Partie der Abstiegsrunde der Eishockey-Landesliga ab. Grund dafür war ein Loch in der Eisfläche auf Höhe des Mittelkreises. Die Unparteiischen gaben den Burgauern 45 Minuten Zeit, das Eis wieder herzustellen. In dieser Dreiviertelstunde versuchten die Burgauer alles, um den Untergrund bespielbar zu machen. Und dieses Unterfangen schien zunächst auch von Erfolg gekrönt. Die Partie wurde fortgesetzt. Doch wenige Minuten nach Wiederanpfiff wies ein Gästespieler die Schiedsrichter darauf hin, dass das Eis wieder gebrochen war. Daraufhin beendeten die Referees die Begegnung vorzeitig. „Es war aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich, das Spiel zu Ende zu bringen“, sagte der Hauptschiedsrichter.

Wer für das Ungemach verantwortlich ist? Vonseiten des Vereins gab es keinerlei Schuldzuweisungen. Allerdings sagte Eisbären-Chef Werner Gebauer konkret: „Der Verein kann nichts dafür. Wir sind unschuldig.“ Zum Zeitpunkt des Abbruchs führten die Eisbären 2:1. Mit diesem Ergebnis hätten sie die Abstiegsrunde auf dem vierten Platz beendet. Dieser Rang würde reichen, um in den nun anstehenden Playdowns in einem eventuell notwendigen dritten Spiel Heimrecht zu genießen. Gegner der Eisbären ist in jedem Fall der SC Forst. Die Oberbayern hatten ihr zeitgleich ausgetragenes Spiel beim TSV Trostberg überraschend 5:4 gewonnen. Dieses Ergebnis sorgte bei vielen Zuschauern und den Verantwortlichen des ESV Burgau für Unverständnis. „Trostberg hat schon am Freitag gegen Reichersbeuern 3:9 verloren und jetzt schenken sie auch noch das Spiel gegen Forst ab, das ist unglaublich“, argwöhnte ein Burgauer Funktionär.

Die Entscheidung liegt beim Sportgericht

Wie die in der 45. Minute abgebrochene Begegnung in Burgau letztlich gewertet wird, liegt nun in der Hand des Sportgerichts. Mit einem Urteil wird am späten Montagabend gerechnet. Möglich sind drei Lösungen, die allerdings allesamt unbefriedigend scheinen. Wertung für Burgau: Für diese Variante spricht ein Präzedenzfall, an den sich die Burgauer noch allzu gut erinnern können. Vor zwei Jahren lagen die Eisbären beim SC Riessersee II zurück, als die Eismaschine im Garmischer Olympiastadion ausfiel. Das Eis konnte nicht wieder hergestellt werden. Die Schiedsrichter brachen die Partie ab. Zu diesem Zeitpunkt führten die Gastgeber und das Sportgericht entschied damals, dass das Ergebnis zum Zeitpunkt des Abbruchs gewertet wird. Falls diesmal ebenso entschieden wird, ist Burgau Tabellenvierter der Abstiegsrunde und tritt am Freitag zu Hause gegen Forst an.

Wertung gegen Burgau: Sollten die Eisbären die Partie am grünen Tisch verlieren, wären sie Tabellenfünfter und müssten am Freitagabend beim SC Forst antreten. Damit verbunden ist allerdings ein unlösbares Hallenproblem. Gebauer schildert die Sachlage: „Forst kann am Freitag gar kein Heimspiel austragen, weil das Eisstadion in Peißenberg vom heimischen TSV für das Bayernligaspiel gegen Höchstadt reserviert ist. Und Peiting, das auch nah dran liegt, spielt ebenfalls am Freitag zu Hause.“

„Mit einem normalen Modus hätten wir dieses Theater nicht“

Neuauflage der Partie: Die eigentlich gerechte Lösung und deshalb richtige Konsequenz wäre, das abgebrochene Spiel kurzfristig für Dienstagabend (ein anderer Termin ist in Burgau nicht möglich) neu anzusetzen. Allerdings geht nicht nur der ESV-Vorsitzende Gebauer davon aus, dass Reichersbeuern in diesem Fall auf eine Austragung verzichten und die Punkte abschenken würde. Eine Neuauflage ergibt für die Gäste ja keinerlei sportlichen Sinn, denn sie sind in jedem Fall Tabellendritter.

Gebauer mutmaßt: „Ich glaube nicht, dass die das schaffen bis 20 Uhr. Die Leute müssen ja arbeiten, die können gar nicht rechtzeitig von Bad Tölz herkommen.“ Falls also (so die Spekulation) der Verband eine Neuansetzung beschließt und falls Reichersbeuern darauf verzichtet, ist Burgau wieder Tabellenvierter. Die Rechnereien um verschiedene Möglichkeiten, die niemanden wirklich zufrieden stellen können, ärgern Gabauer wahnsinnig. Zum wiederholten Mal bezieht er Stellung gegenüber den Liga-Machern und bekräftigt: „Mit einem normalen Modus hätten wir dieses Theater nicht.“

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